Was ist Ernährungswirtschaft?

Die Herausforderungen für die Ernährungswirtschaft nehmen in den letzten Jahrzehnten deutlich zu. Klimawandeln, Flächenknappheit, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und eine immer weiterwachsende Weltbevölkerung, die trotz allem Überfluss noch immer zum Teil an Hunger stirbt, machen der Agrar- und Ernährungswirtschaft nicht nur in Deutschland zu schaffen. Daher fordert der Zentralausschuss der Deutschen Landwirtschaft (ZdL), auf internationaler Basis interdisziplinär und praxisorientiert zu agieren. In einer entsprechenden Positionierung beschrieb der ZdL, dass die Ressourceneffizienz unter Berücksichtigung ökologischer, ökonomischer sowie sozialer Gesichtspunkte sowohl im ökologischen als auch im konventionellen Landbau gleichermaßen das erklärte Ziel sein müsse. Innovative und ausgefeilte Techniken sollen dazu verhelfen, neue Maßstäbe zu setzen.

Starke Säule der deutschen Industrie – die Ernährungswirtschaft

Essen muss jeder Mensch. Landwirtschaftliche Erzeugnisse ernten, be- und verarbeiten und den Menschen im Land zugänglich zu machen – das ist Aufgabe der Ernährungsindustrie. Im Jahr 2016 beschäftigte diese hierzulande etwa 570.000 Menschen in 5.800 Betrieben. Somit liegt die Ernährungswirtschaft auf Platz 3 der deutschen Industriezweige und ist sogar führend in Europa.

Das erklärte Ziel dieser Ernährungswirtschaft, von der auch die folgenden Statistiken stammen, lautet: Höchste Qualität, Sicherheit, Zuverlässigkeit und Kundenorientierung zu bezahlbaren Preisen lt. Bundesverband der Deutschen Ernährungsindustrie.

Der Anteil der lebensmittelverarbeitenden Betriebe an der Gesamtzahl aller verarbeitenden Betriebe liegt bei 13,1 %; der Anteil der Beschäftigten bei 9,4 %. Die gleiche Zahl weist der Umsatzanteil aus, wohingegen der Exportanteil am Gesamtexport bei 5 % liegt. Mit 168,6 Mrd. Euro Gesamtumsatz liegt dieser um 1,7 % niedriger, als im Vorjahr. Das größte Umsatzminus lag hier im Inland mit -3,3 %, der Exportanteil nahm sogar noch um 1,9 % zu. Die Zahl der Betriebe reduzierte sich in 2015 im Vergleich zu 2014 etwas, die Zahl der Beschäftigten nahm jedoch um 1,7 % zu. Die Verbraucherpreise stiegen um 0,7 % im Lebensmittelbereich nur leicht an.

Zusammenfassung 2015
Beschäftigte Ernährungsindustrie 569.162
Lebensmittelverarbeitende Betriebe 5.812
Anteil lebensmittelverarbeitender Betriebe an der Gesamtzahl aller verarbeitenden Betriebe 13,1 %
Beschäftigtenanteil 9,4 %
Umsatzanteil 9,4 %
Exportanteil 5 %
Gesamtumsatz 168,6 Mrd. €
Differenz zum Vorjahr -1,7 %
davon Inland – 3,3 %

Export + 1,9 %

Zahl der Betriebe im Vorjahresvergleich – 0,3 %
Zahl der Beschäftigten im Vorjahresvergleich + 1,7 %
Verbraucherpreise gesamtdeutsches produzierendes Gewerbe + 0,3 %
davon Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke + 0,7 %
Verkaufspreise der Ernährungsindustrie Inland – 2,1 %

Ausland – 2 %

Die größten Umsatzbringer mit einem Gesamtanteil von

davon anteilig:

71,7 %
Backwaren 30,2 %
Fleisch/Fleischprodukte 19 %
Süß- und Dauerbackwaren sowie Speiseeis 9,7 %
Milch/Milchprodukte (ohne Speiseeis) 6,6 %
Alkoholische Getränke 6,2 %

Gern wird die Ernährungsindustrie als robuster Wirtschaftszweig bezeichnet. Die Wachstumsorientierung nach oben ist dem aufstrebenden Exportgeschäft zu verdanken. Bereits jeder dritte Euro, der in den Taschen der Ernährungswirtschaft landet, kommt aus dem Ausland. Waren es in 1998 noch insgesamt 116,9 Mrd. Euro, die erwirtschaftet wurden, kam man in 2015 auf ein Plus von 44 % bei einem Umsatz von 168,6 Mrd. Euro.

Umsatzentwicklung 1998 – 2015
Jahr Export Mrd. € Exportquote Importe Mrd. €
1998 20,3 17,4 % 23,4
2015 55,3 33 % 48,1
Veränderung + 172 % + 90 % + 106 %

Deutsche Ernährungswirtschaft auf globaler Ebene

Deutsche Nahrungsmittel nicht nur hierzulande beliebt, was die folgende Statistik belegt:

  Anteilige Lebensmittelexporte 2015
Zielregion Anteil % Land/Anteil %
Europa (EU) 78,8 Niederlande 16,7

Frankreich 11,7

Italien 10,7

Europa (Nicht-EU) 6,4 Schweiz   41,0

Russland   20,8

Norwegen   14,1

Amerika 4,2 USA   69,1

Kanada   10,6

Brasilien   5,5

Asien 7,8 China   39,0

Südkorea     9,6

Japan     7,3

Afrika 2,1 Ägypten   15,0

Marokko   14,9

Südafrika   13,9

Ozeanien 0,6 Australien   86,4

Neuseeland   12,4

Absatzwege

Der wichtigste Absatzpartner für die Ernährungswirtschaft ist der Lebensmitteleinzelhandel. Doch auch Außer-Haus-Partner – schließlich bleibt der Hunger nicht zu Hause – bescherten Umsätze in Höhe von 73,6 Mrd. Euro, was einem Umsatzplus von 3,5 % entspricht. An erster Stelle stehen hier Bediengastronomie und Hotelrestaurants mit 29,1 %, Schnellgastronomie mit 23,4 %, Erlebnisgastronomie mit 12,8 %, Arbeitsplatzverpflegung mit 6,9 % sowie verschiedene andere mit 1,4 %. Viel interessanter jedoch sind die Handelsgruppen, die der Kunde via Einkaufswagen aufsucht:

Lebensmittelhandel 2015
Handelskette/Händler Anteil %
Edeka 25,3
Rewe 15,0
Schwarz 14,7
Metro 5,4
Lekkerland 4,7
Rossmann 2,7
Globus 1,7
Bartels-Langness 1,6
Sonstige 13,7

Fazit zur Entwicklung der deutschen Ernährungsindustrie

Beim genauen Studium der Statistiken fällt ins Auge, dass der Umsatz im Ausland stetig zugenommen hat. Die Marktposition des Lebensmittelhandels ist dominant, was ihn befähigt, die Preisentwicklung zu kontrollieren. Das macht es den produzierenden Betrieben schwer, die gestiegenen Kosten auf die Verkaufspreise umzuwälzen. Daher sind es hauptsächlich mittelständische Betriebe, die viel eher die Kostenstruktur im Auge haben. Jeder Betrieb hat somit durchschnittlich 27,6 Mio. Euro erwirtschaftet. Zusammengefasst bringen es die zehn größten Unternehmen lediglich auf 14,5 %, der Rest fällt in den Bereich des Mittelstandes.

Der zweitwichtigste Absatzpartner für die Ernährungsindustrie ist der Außer-Haus-Markt, denn auch unterwegs bleibt der Hunger nicht zu Hause.

Fleisch ist noch immer ein Lebensmittel, dessen Beliebtheit stetig zunimmt – zum Trotz aller Gegner. Das belegt die folgende Statistik, die die Marktanteile der einzelnen Lebensmittelgruppen darstellt:

Anteilige Produktgruppen 2015
Produktgruppe Anteil % Anteil EU % Anteil international %
Fleisch, Fleischprodukte 18,8 83,0 17,0
Süß-, Dauerbackwaren, Speiseeis 15,1 79,9 20,1
Milch/Milchprodukte (ohne Speiseeis) 14,5 82,4 17,6
Fertiggerichte, sonstige Nahrungsmittel 8,7 63,7 36,3
Alkoholische Getränke 6,8 58,6 41,6
Öle, Fette 6,3 85,5 14,5
Obst, Gemüse (verarbeitet) 5,6 85,0 15,0
Getreide, Mehl 5,0 75,9 24,1
Fisch, Fischprodukte 3,8 86,1 13,9
Mineralwasser, Erfrischungsgetränke 2,7 82,5 17,5
Backwaren 1,6 87,0 13,0
Würzen, Soßen 1,6 81,8 18,2
Zucker 0,9 91,1 8,9
Teigwaren 0,1 75,1 24,9

Doch sei selbstverständlich auch die Landwirtschaft nicht vergessen. Die Erntebilanz 2015 zeigt eine deutlich rückläufige Entwicklung. Bei Getreide, Obst, Gemüse, Kartoffeln, Zuckerrüben, Spargel, Wein sowie im Futterbau begründen sich die schlechten Ernteergebnisse auf den ungünstigen Witterungseinflüssen sowie auf verkleinerten Anbauflächen. Wer genauere Ergebnisse sucht, wird hier fündig. Daher wird häufig auf Importe zurückgegriffen, die zudem oft deutlich günstiger sind, jedoch auch geschmacklich vielfach zu wünschen übriglassen.

Die Ernährungswirtschaft hat es nicht leicht. Andererseits beeinflusst sie aber auch den Verbraucher mittels Werbung dahingehend, dass vielfach bereits verarbeitete Lebensmittel gekauft werden, was aber nicht der Gesundheit zugutekommt. Gesunde Ernährung jedoch sieht anders aus.